Orient Express: Geschichte, aktuelle Züge und wie Sie richtig buchen
Wer heute nach dem Orient Express sucht, stößt auf zwei völlig unterschiedliche Züge, die beide diesen legendären Namen tragen. Ein Überblick über Geschichte, Routen, Kabinen und Preise, damit Sie den richtigen für Ihre Reise wählen.
Dorothea Schroeder
Kaum eine Anfrage sorgt für so viel Verwirrung wie „Buchen Sie mir den Orient Express". Für diesen Artikel habe ich aktuelle Routen, Kabinenkategorien und Preise beider heute aktiven Orient-Express-Züge ausgewertet und gegenübergestellt.
Veröffentlicht: 25. Juli 2026 | Aktualisiert: Juli 2026

Der Name Orient Express gehört heute zwei unterschiedlichen Zügen: dem Venice Simplon-Orient-Express von Belmond mit original restaurierten Waggons aus den 1920er-Jahren, der quer durch Europa fährt, und dem neuen Orient Express La Dolce Vita von Accor, der ausschließlich Italien bereist. Beide berufen sich auf dieselbe Geschichte, werden aber von unterschiedlichen Unternehmen betrieben, da die Markenrechte seit 2023 an zwei Lizenznehmer der Eigentümerin SNCF vergeben sind.
Ein Name, zwei Züge: Die Verwirrung um den Orient Express
Die Marke „Orient Express" gehört rechtlich der französischen Staatsbahn SNCF. Über viele Jahrzehnte war damit ausschließlich der Venice Simplon-Orient-Express von Belmond verbunden, der die Tradition des historischen Zuges mit original restaurierten Waggons fortführt. Seit 2023 lizenziert die SNCF den Namen zusätzlich an die Hotelgruppe Accor, die gemeinsam mit dem Projektpartner Arsenale S.p.A. einen komplett neuen Zug aufgebaut hat: den Orient Express La Dolce Vita, der 2025 seinen Betrieb in Italien aufgenommen hat. Wer heute eine „Orient-Express-Reise" plant, sollte also zuerst klären, welcher der beiden Züge gemeint ist, denn Design, Strecken und Charakter unterscheiden sich erheblich.
Die Geschichte: Von Paris in den Orient
Der ursprüngliche Orient Express ging auf den belgischen Unternehmer Georges Nagelmackers und seine 1876 gegründete Compagnie Internationale des Wagons-Lits zurück. Am 5. Juni 1883 brach der Zug zu seiner ersten Fahrt auf, von Paris zunächst bis Giurgiu in Rumänien, von wo die Reisenden per Schiff und Bahn weiter bis Konstantinopel, dem heutigen Istanbul, gelangten. Der Name selbst beschreibt genau diese Verbindung: „Orient" für das damalige Reiseziel im Osten, „Express" für eine für die damalige Zeit revolutionär direkte Verbindung ohne ständiges Umsteigen. Weltberühmt wurde der Zug später auch literarisch, etwa als Schauplatz von Agatha Christies Kriminalroman über einen Mord an Bord.
Der Venice Simplon-Orient-Express (Belmond)
Der Venice Simplon-Orient-Express, kurz VSOE, wird von Belmond betrieben, das seit 2019 zum LVMH-Konzern gehört. Kernstück sind aufwendig restaurierte Schlaf- und Speisewagen aus den 1920er- bis 1940er-Jahren mit originaler Holzvertäfelung, Messingbeschlägen und teils original erhaltenen Glasarbeiten des Designers René Lalique. Die Hauptroute führt von Paris über die Alpen nach Venedig, weitere Routen verbinden Wien, Budapest, Prag sowie, meist nur ein- bis zweimal jährlich, Paris mit Istanbul als mehrtägige Reise inklusive Hotelübernachtungen. Seit 2026 startet die Reise für britische Gäste nicht mehr direkt am Bahnhof London Victoria, sondern über eine Anschlussverbindung mit dem British Pullman oder dem Eurostar nach Paris beziehungsweise Brüssel.
An Bord stehen drei Kabinenkategorien zur Wahl: Die Historic Cabin (frühere Twin Cabin) ist die kompakteste Variante, tagsüber ein Lounge-Abteil, das die Stewards während des Abendessens in ein Schlafabteil verwandeln, ohne eigene Dusche. Die Cabin Suite besteht aus zwei miteinander verbundenen Abteilen und bietet entsprechend mehr Platz. Die Grand Suite, von der es nur sechs an Bord gibt, verfügt über einen festen Wohnbereich, ein eigenes Bad und deutlich mehr Raum.
Der Orient Express La Dolce Vita (Accor)
Der Orient Express La Dolce Vita ist kein restaurierter, sondern ein komplett neu gebauter Zug, dessen Innenarchitektur vom Mailänder Studio Dimorestudio im Stil des italienischen Designs der 1960er-Jahre entworfen wurde. Insgesamt sechs Züge mit je 12 Gästewagen und 3 Servicewagen sind im Einsatz, mit Platz für maximal 62 Passagiere pro Fahrt. Statt quer durch Europa zu fahren, bleibt der La Dolce Vita ausschließlich in Italien und bedient ikonische Routen durch 14 italienische Regionen, etwa zwischen Rom und Matera, entlang der tyrrhenischen Küste oder mit einer Zugüberfahrt per Fähre über die Straße von Messina nach Sizilien. Ergänzt wird das Angebot durch zwei von Accor eröffnete Orient-Express-Hotels, das Orient Express La Minerva in Rom und das Orient Express Palazzo Donà Giovannelli in Venedig.
VSOE oder La Dolce Vita: Welcher Zug passt zu Ihnen?
- Original restaurierte Waggons der 1920er-Jahre
- Route quer durch Europa, inklusive seltener Istanbul-Fahrt
- Historic Cabins ohne eigene Dusche
- Betrieben von Belmond (LVMH)
- Neu gebauter Zug im italienischen Stil der 1960er-Jahre
- Ausschließlich Routen innerhalb Italiens
- Alle Kabinen mit eigenem Bad
- Betrieben von Accor gemeinsam mit Arsenale S.p.A.
Der eine Zug lässt Sie in eine restaurierte Vergangenheit eintauchen, der andere erfindet dieselbe Legende für ein neues Land völlig neu. Beides ist Orient Express, nur eben auf sehr unterschiedliche Art.
Was kostet eine Fahrt mit dem Orient Express?
| Zug & Kategorie | Richtpreis 2026 | Hinweis |
|---|---|---|
| VSOE Historic Cabin | ca. 3.500–4.500 € p.P. | Route Paris–Venedig, ohne eigene Dusche |
| VSOE Cabin Suite | mittlere Preiskategorie | Zwei verbundene Abteile |
| VSOE Grand Suite | ca. 9.800–14.000 € p.P. | Nur 6 an Bord, eigenes Bad |
| VSOE Paris–Istanbul | ab ca. 18.000 £ p.P. | Mehrtägig, inkl. Hotelübernachtungen |
| La Dolce Vita | ab ca. 2.500 € pro Nacht | Alle Kabinen mit Bad, italienische Routen |
Preise schwanken je nach Quelle, Saison, Route und Buchungskanal spürbar, die Werte sind grobe Orientierungswerte für 2026 und keine verbindlichen Angebotspreise. In allen Kategorien sind Mahlzeiten an Bord üblicherweise inklusive, Getränke und Ausflüge meist nicht.
Wie und wann sollte man buchen?
- Gefragte Routen wie Paris–Venedig oder die jährliche Istanbul-Fahrt frühzeitig buchen, 6 bis 12 Monate Vorlauf sind üblich
- Formelle Abendgarderobe für das Dinner einplanen, besonders beim VSOE Teil des Erlebnisses
- Bei der Historic Cabin des VSOE beachten: keine eigene Dusche an Bord
- Eurail- oder Interrail-Pässe gelten auf beiden Zügen nicht
- Buchung direkt beim Betreiber, über autorisierte Ticketing-Partner oder eingebettet in eine individuell geplante Reiseroute über Dorothea Schroeder Reisen
Wie im Vergleich zwischen individueller und Pauschal-Luxusreise beschrieben, lässt sich eine Fahrt mit dem Orient Express besonders gut als einzelner, exklusiver Baustein in eine größere, individuell geplante Route einbinden, etwa als mehrtägiger Auftakt oder Abschluss einer Europareise.
Wer „Orient Express" bucht, sollte zuerst klären, ob die restaurierte Art-déco-Version quer durch Europa oder der neu gebaute Zug durch Italien gemeint ist, beide tragen zu Recht denselben legendären Namen, sprechen aber sehr unterschiedliche Erwartungen an.
Häufige Fragen zum Orient Express
Quellen und Informationen zu diesem Artikel
Dieser Artikel stützt sich auf folgende primäre und weiterführende Quellen:
-
Belmond: Venice Simplon-Orient-Express
Offizielle Quelle des Betreibers zu Routen und aktuellem Angebot.
belmond.com -
Merian: Venice Simplon-Orient-Express: Preise, Routen und Co.
Quelle für Routenüberblick, Kabinenarten und Geschichte.
merian.de -
Luxury-Trains.co.uk: VSOE Fares 2026 & 2027
Quelle für die aktuellen Preisspannen der Kabinenkategorien 2026.
luxury-trains.co.uk -
Travelperfect: Was ist der Orientexpress?
Quelle für Markengeschichte, Streckenverlauf und die Aufteilung der Markenrechte seit 2023.
travelperfect.de -
Bahndampf.de: Orient Express La Dolce Vita
Quelle für Zugkapazität, Design und Routen des Orient Express La Dolce Vita.
bahndampf.de